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Gesellschaft, Gestaltung, #SDnue

Forum #3 - Schule Chancen Gründertum
Raus aus dem Bildungsnotprogramm, rein in die Zukunft. Lernen, Coden, Gründen. Kann Schule allein den Weg in die Arbeitswelt von morgen ebnen?

Nachbericht


Dank Entrepreneurship Education, Schülerfirmen und -genossenschaften selbstbewusst ins Berufsleben

#SDNue Social Design Forum Nürnberg, Edition 3, Schule Chancen Gründertum
#SDNue Social Design Forum Nürnberg, Edition 3, Schule Chancen Gründertum
#SDNue Social Design Forum Nürnberg, Edition 3, Schule Chancen Gründertum

Das #SDNue Social Design Forum blickt auf eine diskussionsreiche dritte Ausgabe zurück, die am 11. Oktober im Spielzeugmuseum und im Livestream stattfand. Das Thema „Schule – Chancen – Gründertum“ sah nicht nur die Runde der Referierenden äußerst aktiv. Auch das Publikum – zusammengesetzt aus persönlich motivierten Privatpersonen, engagierten Lehrkräften und Ehrenamtlichen sowie Fachkräften aus der Lehrerbildung – diskutierte angeregt mit.

Den Abend eröffnete #SDNue Initiator und Moderator Stefan Wacker mit dankenden Worten an das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie, das durch die vermittelnde Rolle von bayern design den Abend als Designgespräch finanziell förderte. Auch Trendoffice by Dauphin Human Design Group und das Spielzeugmuseum leisteten ihren Beitrag mit einer erneuten Unterstützung materieller sowie infrastruktureller Art. #SDNue Co-Initiatorin und Co-Moderatorin Sabine Schweigert leitete dann mit persönlichen Gedanken das Thema des Abends ein und lud zur Vorstellungsrunde ein. „Berufswunsch mit 15 und was daraus wurde“, so das Motto, unter dem sich das Publikum auf individuelle und thematisch passende Weise vorstellen sollte. Die Anzahl derer, die ihren damaligen Berufswunsch umgesetzt hat, dürfte sich dabei in etwa die Waage mit denjenigen gehalten haben, die andere Wege einschlugen.

Von der Berufswahl zu den Berufsbildern im Wandel, so die Überleitung zum Hauptteil des Abends. Die Impulsreihe der Experten und Expertinnen eröffnete Dr. Florian Lehmer vom IAB, dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung.

Der Arbeitsmarktforscher erläutert zunächst, welche Faktoren zum Strukturwandel führen und somit Berufsfelder maßgeblich beeinflussen, zur Entstehung neuer Berufe beitragen, die Zusammensetzung der Beschäftigung und Berufsbilder verändern. Dabei lässt sich feststellen, dass die Berufe tendenziell „digitaler und grüner“ werden. Dementsprechend geht Lehmer ausführlicher auf das Substituierbarkeitspotenzial von Berufen ein. Ein heikles Thema, denn wer hat sich nicht schon gefragt, welche Aufgaben in Zukunft noch von KI und Robotik übernommen werden. Ein Blick auf einzelne Berufssegmente gibt Aufschluss und findet sich auch in Dr. Lehmers Präsentation wieder.

Und auch das Thema „Greening of Jobs“ behandelt Lehmer ausführlicher, ehe er abschließend darauf verweist, dass Bildung und Ausbildung die wichtigste Herausforderung darstellen und lebenslanges Lernen zur Norm werden muss.

Die Requisiten für die neuen Anforderungen erhalten die Jugendlichen in den Schulen. Kompetenzorientierung ist das Stichwort und so sind Ziele wie die Vermittlung von Selbstkompetenz sowie Methodenkompetenz in den Lehrplan integriert. Besonders förderlich für diese Ziele ist Social Entrepreneurship Education, so Susanna Klein, Lehrerin an einer Mittelschule, die bereits seit 2009 in diesem Bereich aktiv ist. Susanna Klein erläutert dieses Konzept anhand ihres intensiven Austauschs mit der österreichischen IFTE  (Initiative for Entrepreneurship Education) und ihrem Gründer Prof. Johannes Lindner, sowie anhand ihrer eigenen Erfahrungen aus der Praxis, gesammelt mit der ALMSE-Akademie, deren Gründerin sie ist. ALMSE hat „es sich zum Auftrag gemacht hat, Social Entrepreneurship-Unterricht in die Breite zu tragen“. Wichtig zu bedenken: Entrepreneurship meint auch, Eigeninitiative zu ergreifen, selbstwirksam zu werden. Eben ein unternehmerisch aktiv werden, das jenseits des wirtschaftlichen Profits blickt. Fächerübergreifend werden Schülerinitiativen entwickelt und fördern so nicht nur das Verständnis inhaltlicher Art, sondern stärken auch das Selbstbewusstsein und das Miteinander, wie die von Susanna Klein aufgegriffenen Praxisbeispiele zeigen.

Doch sind derartige Ansätze tatsächlich schon in der Lehrerausbildung angekommen? Dr. Melanie Stephan vom Lehrstuhl Pädagogik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg gibt einen Einblick in den Status Quo. Dabei wird deutlich, wie groß der Aufholbedarf der Schulen und der Lehrerausbildung allein im Bereich der Digitalisierung ist. Und doch hat sich die Arbeitsweise der Studierenden in den vergangenen Jahren deutlich verändert, ist der Austausch vielschichtiger und internationaler geworden. Bei steigenden Anforderungen an deren Kompetenzen und Engagement.

Ein Grund für Dr. Christiane Decker, den Schulen als Botschafterin für Schülergenossenschaften zur Seite zu stehen. In einem Interview stellte sie das Konzept der Schülergenossenschaften vor. Dazu erläuterte sie zunächst das Prinzip der Genossenschaften als solches, um dann zu unterstreichen, welch positiven Einfluss das höchst demokratische Modell auf die Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen habe. Das Selbstbewusstsein werde gestärkt, die eigenen Kompetenzen besser erkannt, Mut zur Initiative, aber auch zum Scheitern entwickelt, das Verantwortungsbewusstsein geschult. In Initiativen, die außerhalb des regulären Schulunterrichts stattfinden, gründen Schüler Genossenschaften nach allen Regeln der Kunst, übernehmen gezielt Rollen und Aufgaben, müssen sich um die Nachfolge nach ihrem Ausscheiden aus der Schule kümmern. Dabei sind die Schülergenossenschaften für alle Schularten geeignet, denn vom Brötchenlieferdienst bis hin zur Balkonbegrünung für Senioren sind den Ideen keine Grenzen gesetzt, außer die eines funktionierenden Business- und Finanzplans. Interessant übrigens, dass immer wieder auch eine Vernetzung mit Betrieben zustande kommt und dann Arbeitgeber loben, wie zuverlässig und verantwortungsbewusst Schüler aus diesen Genossenschaften hervorgehen.

Derartige Erfahrungen werden auch aus dem Publikum berichtet. Engagierte Lehrerinnen einer Mittelschule berichten von ihren Schülerinnen und Schülern und der Schwierigkeit, sie auf die Fährte derjenigen Berufsbilder zu bringen, in denen sie auch Einstiegschancen haben. Schülerfirmen und ähnliche Initiativen helfen in diesem Fall, den Fokus auf die eigenen Talente zu setzen und Selbstvertrauen zu stärken. Auch aus der Lehrerbildung erfolgen wertvolle Wortmeldungen. So wünscht man sich hier modernere Konzepte bei der Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern, die ähnlich innovativ sein sollten, wie die Lehrkonzepte an Schulen. Zudem fordern betroffene Elternteile, Chancen für alle zu bieten, unabhängig von der finanziellen Ausgangslage der Familien, und die jungen Menschen auf den zukünftigen langen Lebensweg angemessen vorzubereiten. Spannende Diskussionen, die im Mitschnitt der Veranstaltung im Detail verfolgt werden können. Und die beim abschließenden Netzwerken eine lebendige Fortsetzung fanden.

Da das remote teilnehmende Publikum in dieser Ausgabe des #SDNue Social Design Forums noch keine Möglichkeit der aktiven Teilnahme hatte, sollen an dieser Stelle noch die offengebliebenen Fragen beantwortet werden. Hier danken wir Prof. Johannes Lindner, der ursprünglich als Referent eingeplant war, für seine Bereitschaft, die Fragen zu beantworten. Zudem äußert sich auch Susanna Klein, die sehr spontan bereit war, ihn vor Ort zu ersetzen.

Frage 1: Braucht es neben den guten Projekten nicht auch Vorbilder? Lehrer oder erfolgreiche Beispiele zum Beispiel von Menschen mit Migrationshintergrund?

  • Johannes Linder (https://www.ifte.at/jedeskindstaerken und https://www.ifte.at/jugendstaerken): „Es braucht Projekte und die sollten gut begleitet werden, Kinder und Jugendliche sollten sich mehrfach erproben dürfen und so ihre Selbstwirksamkeit erleben. Aus diesen Projekten entwickeln sich Jugendliche, die die besten Rollenvorbilder sind, da sie auch erreichbar sind. Es gibt sicher erfolgreiche Ideenumsetzer/innen in der Gesellschaft und Wirtschaft, die auch gute Rollenvorbilder sind, manchmal sind sie mit ihrem Leben aber zu weit weg.“
  • Susanna Klein (ALMSE-Akademie): „Meine Schülerinnen und Schüler aus dem ersten Projekt haben zum einen durch die Einführung der Schülerfirmenarbeit und des Entrepreneurship Education-Projektes so viel mitgenommen, dass sie mir auch in den Jahren nach ihrem Abschluss eine große Unterstützung waren und zum anderen für sich das lebenslange Lernen mitgenommen haben. Einer der jungen Menschen ist Türke, in Deutschland aufgewachsen und hat inzwischen den Betriebswirt über die IHK gemacht. Eine junge Dame hat gleich anschließend nach ihrer Ausbildung die Fitness-Fachwirtin gemacht und arbeitet jetzt in einer großen Headhunterfirma. Sie hat teilweise italienische Wurzeln. Ein weiterer Ehemaliger studiert Finanzwesen.“

Frage 2: Wäre es auch sinnvoll an Schulen, die solche Projekte nicht selbst anbieten können, Verbindungen zu ehrenamtlichem Engagement als Thema zu setzen und auf diese Weise zumindest Aktivitäten außerhalb der Schule anzustoßen?

  • Prof. Johannes Lindner: „Die Einbindung von Personen ist sehr wichtig. In der Primarstufe mit Studierenden und Schüler/innen, in der Sekundarstufe mit Business Coaches. Die Einbindung im Unterricht ist aber wichtig, damit es ein normaler Bestandteil des Lernens wird und nicht als Zusatzaktivität gesehen wird. Jedes Kind und jeder Jugendliche soll gestärkt werden, seine Selbstwirksamkeit entwickeln und ein entrepreneurial Mindset entwickeln.“
  • Susanna Klein: „Es ist die Vision der ALMSE-Akademie, auch ehrenamtliche Helfer ins Boot zu holen, da Social Entrepreneurship Education im Schulsystem aktuell noch nicht präsent ist. Außerdem ist uns auch die Vernetzung zur regionalen Wirtschaft wichtig! Daran arbeiten wir gerade im Landkreis Miesbach.“

#SDNue Social Design Forum Nürnberg bedankt sich bei den diesmaligen Unterstützern:

Partner des dritten SDNue Social Design Forums Nürnberg

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  • 11.10.23
  • 18:30:00
  • Spielzeugmuseum Nürnberg oder im Live-Stream
  • 0 €
  • Dr. Christiane Decker
    Dr. Florian Lehmer
    Dr. Melanie Stephan
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Die Digitalisierung beschleunigt zunehmend den Wandel unseres privaten und beruflichen Alltags. Auf Letzteren soll die Schulausbildung junge Menschen vorbereiten. Metaverse und Künstliche Intelligenz versus ein Schulsystem, das sich in den vergangenen Jahrhunderten nur geringfügig geändert hat. Wie kann das funktionieren? Wie bereiten wir junge Menschen auf ihr Berufsleben und auf ihr Wirken in und für Unternehmen vor?

Schaut man genauer hin, sehen wir viele Menschen, Initiativen und Organisationen, die mit sehr viel Motivation und Engagement daran arbeiten, Schule zu verändern und zukunftsfähig zu machen. Doch das System ist behäbig, soll es kurzlebigen Strömungen doch nicht unreflektiert ausgesetzt sein. Wie soll also Solidität mit Reaktivität einhergehen, vereinbart werden?

Die Lehrenden als (allwissende) Experten scheint es nicht mehr geben zu können. Dafür sind die Entwicklungen zu schnell und vielfältig. Rollen müssen sich also verändern. Welche Kompetenzen sind jetzt gefragt – bei Lehrenden und bei Schülern? Wer kann oder muss von außen, z. B. seitens Unternehmen, unterstützen? Welchen Rahmen braucht dies und wer könnte ihn schaffen? Was machen andere Länder? Wie können Schule und externe Kräfte auf eine Arbeitswelt vorbereiten, die immer weniger vorhersehbar scheint, und das bei zunehmender Langlebigkeit?

Wir wollen Lehrenden, Unternehmen, privaten Initiativen und Ämtern in unserer dritten Edition des #SDNue Social Design Forums mit dem Titel “Schule Chancen Gründertum” den Raum geben, um dieses weite Feld diskutieren zu können. Ganz grundsätzlich, aber auch sehr konkret an Beispielen aus der Praxis.

Teil unserer Expertenrunde sind daher:

  • Dr. Christiane Decker, Botschafterin für Schülergenossenschaften
  • Dr. Florian Lehmer, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe „Berufe in der Transformation“ am IAB
  • Expert*in zum Thema Entrepreneurship Education
  • Dr. Melanie Stephan, FAU Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg, Lehrstuhl für Pädagogik

Moderiert von Sabine Schweigert und Stefan Wacker (R28 Ventures), den Preisträgern des Deutschen Demografie Preises 2021 in der Kategorie Sonderpreis Next Practice.

Das Forum findet regelmäßig im Spielzeugmuseum Nürnberg statt. Diese Edition #3 wird Teil der Social Design Days sein, veranstaltet von bayern design und der IHK Nürnberg für Mittelfranken. Wir freuen uns sehr über diese Kooperationen.

Was ist #SDNue, das Social Design Forum Nürnberg?

#SDNue als Social Design Forum Nürnberg ist eine Weiterentwicklung der Service Design Drinks Nürnberg und will vierteljährlich gesellschaftliche Themen aus dem Blickwinkel der Disziplin des Social Design beleuchten. Impulsvorträge, Expertenrunde, Diskussionsrunde und Netzwerken, konzentriert und partizipativ an einem lebendigen, befruchtenden Abend.

 

Wie läuft der Abend ab?

  • Mittwoch, 11. Oktober 2023, von 18.30 Uhr bis 22.30 Uhr
  • Spielzeugmuseum Nürnberg, Karlstraße 13-15
  • ab 18.00 Uhr: Eintreffen
  • 18.30 Uhr: Begrüßung durch Stefan Wacker und Sabine Schweigert und allgemeine Vorstellungsrunde
  • 18.50 Uhr: Impulsvorträge der Expert*innen
  • 19.50 Uhr Moderierte Gesprächsrunde zum Erarbeiten kontrastierender Meinungen und/oder gemeinsamer Erkenntnisse und/oder Erfahrungsaustausch
  • 20.50 Uhr: Offene Diskussionsrunde, gemeinsam mit dem Publikum
  • 21.30 Uhr: Informelles Beisammensein mit Netzwerken
  • 22.30 Uhr: Offizielles Ende
  • Hier anmelden

 

Wann und wo kann ich mehr zum Thema erfahren?

Im #SDNue Blog werden vor und nach diesem Forum eine Reihe von Artikeln zum Thema erscheinen. Auch ein zusammenfassendes Video, Bildstrecken, Zitate- und Infosammlungen werden auf sdnue.de verfügbar sein.

 

Die Referierenden

Dr. Christiane Decker, Botschafterin für Schülergenossenschaften, Referentin beim #SDNue Social Design Forum am 11. Oktober 2023

Dr. Christiane Decker

Botschafterin für Schülergenossenschaften

Dr. Florian Lehmer, Referent im Social Design Forum

Dr. Florian Lehmer

Arbeitsmarktökonom, Wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsgruppe „Berufe in der Transformation“ am IAB

Dr. Melanie Stephan, FAU Erlangen-Nürnberg, Lehrstuhl für Pädagogik, Referentin beim #SDNue Social Design Forum am 11. Oktober 2023

Dr. Melanie Stephan

FAU Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg